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ÄLTESTE GESCHICHTE
“Wer vom Schicksal geliebt ist, dem wird das Leben in Freiwaldau vergönnt”, sagt eine alte Redewendung, die andern nannten die Stadt wieder “Perle des Altvatergebirges”, zweifellos wegen ihrer wunderschönnen Lage. Die heutige Stadt liegt am Zusammenfluss von Belá (Biele) und Staríc (Staritz), wo sich die alten Handelswege aus Mähren nach Schlesien kreuzten. Der Zusammenfluss bildete hier eine ausgedehnte waldlose Schottergrube, so dass die ersten hiesigen Insassen um das Jahr 1260 den Ort “frei vom Walde” benannten.
Zuerst entstand hier ein Dorf und kurz darauf auch die Stadt, welche zum erstenmal im Jahre 1267 erwähnt war. Schon um das Jahr 1290 bildete die Stadt ein Zentrum des sg. Weichbildes von zehn Dörfern, für welche der Stadtvogt das Halsrecht ausübte. Den Stützpunkt der Stadt, die keine Stadtmauer hatte, bildete die Burg (Wasserburg), welche vor kurzer Zeit gründlich rekonstruiert wurde. Anfang des 14. Jhs. litt die Stadt sehr unter den Streifzügen der Raubritter und gerade aus der Zeit (1326) stammen wichtige Nachrichten über die 13 Hammerhütten in der Stadtumgebung. Es handelte sich höchstwahrscheinlich um die Eisenerzeugung. Laut zweier Nachrichten vom Ende des 14. Jhs. verkaufte man hiesige Eisen sogar in England. Aber anfangs des 15. Jhs. arbeiteten hier nur zwei Eisenhämmer.
Damals war der Stadtvogt Hynek Mušín, der wegen seiner Sympathien zum Hussitentum des Amtes enthoben wurde. Der neue Aufschwung, nicht nur der Eisengewinnung, sondern auch die Gewinnung von Gold und Silber brachte der Stadt im Jahre 1506 das Statut einer Bergstadt. Sie gehörte damals der bekannten Unternehmerfamilie Fugger aus Augsburg. Die verkaufte aber nach Ausbeutung des Erzreichtums die Stadt mit den umliegenden Dörfern im Jahre 1547 den Breslauer Bischöfen. Im Jahre 1506 erwarb die Stadt vom Bischof Johann Thurzo das Stadtwappen, das den schlesischen Adler und einen braunen Bären auf grünem Rasen zeigte.Die reiche Erzgewinnung wurde immer geringer, bereits im 16. Jh., und die Stadt orientierte sich nur auf eine bescheidenere Lebensweise mit der Erzeugung von Leinengeweben. Den Gewerbecharakter der Stadt bestätigen auch viele Zunftregeln aus dem 16. und 17.
Jh.
HEXENPROZESSEIm 17. Jh., während des Dreissigjährigen Krieges, hatte das ruhige Leben der Einwohner infolge der Überfälle der Söldnertruppen ein Ende. Ein weiterer Schicksalsschlag waren die
Hexenprozesse aus den Jahren 1622 – 1684. Sie forderten Hunderte von Opfern. Allein in der Stadt weiss man von 102 Personen, die auf dem Richterplatz auf dem Weg nach Gräfenberg verbrannt wurden. Der wirtschaftliche Neubeginn nach dem Dreissigjährigen Krieg ging nur sehr langsam vonstatten. Ein neuere Schicksalsschlag bedeuteten die schlesischen Kriege, als es infolge des sg. Breslauer Friedens zur Teilung von Schlesien kam. Der anfängliche Aufschwung durch die einsetzende Industrie, vor allem die Erzeugung von Leinengewebe, die über Breslau exportiert wurden, wurde wieder stark gebremst. Es dauerte längere Zeit, bis man ein Ersatzgebiet auf dem Balkan gefunden hat. Den Handelsweg über Wien nützte im Jahre 1822 ein hiesiger Bürger, Adolf Raymann, der durch das Wiener Bankhaus Regenhart einen grossen Kredit erhielt und so in Freiwaldau eine Manufaktur gründen konnte, die sich bald einen guten Ruf in ganz Europa sowie in der Übersee mit ihren ausgereichneten Leinengeweben erwarb. Die vereinte Firma Regenhart-Raymann verschlang bald die kleineren Konkurrenten in der Stadt und durch Maschinenspinnen und Maschinengeweben sowie durch neue Methoden der Bleicherei erwarb hier eine
Monopolstellung.
ENTWICKLUNG DER STADT
Zweite hervorragende Persönlichkeit, welche der Stadt in der ersten Hälfte des 19. Jhs. ein Gepräge drückte, war Vinzenz Priessnitz (1799 – 1851), Gründer der ersten Wasserheilanstalt in der Welt. Gräfenberg, heute Láznì Jeseník, oberhalb von Jeseník (Freiwaldau), wo er eine Menge von Kurobjekten bauen lies, zog her vor allem wohlhabende Bürger und Adelige, die hiesigen Einwohnern nicht nur willkommene Einkommen, sondern auch viele gemeinnützige Kultureinrichtungen
brachten.
Neue Organisation der öffentlichen Verwaltung nach dem Niedergang des Feudalismus brachte der Stadt einen neuen Gewinn, weil sie seit dem J. 1850 Sitz einer neuen Bezirkshauptmannschaft war, die das ganze Gebiet von Zlaté Hory – Zuckmantel bis Bílá Voda – Weisswasser verwaltete. Die Konzentration der Industrieerzeugung zog in die Stadt die Dorfbewohner. Neben der Fabrik Regenhart-Raymann entstand hier ein Paar kleinerer Unternehmungen. Die wichtigste war seit 1890 die Handschuhfabrik B. Blühdorn, die etwa 400 Leute beschäftigte. So wuchs auch die Einwohnerzahl: im Jahre 1836 lebten hier 2518 Einwohner, 1869 schon 5242, 1921 6722 und im J. 1930 sogar 8261
Einwohner.
Mit dem Anwachsen der Einwohnerzahl brauchte man auch eine Reihe neuer Einrichtungen, welche in der Stadt fehlten. Aus Iniziative des Frauenunterstützungsvereines wurde im J. 1890 das Krankenhaus erbaut, das im J. 1928 um einen neuen Trakt erweitert wurde. Man brauchte auch eine neue Wasserleitung (1876), denn die alte auch Holz, die im J. 1840 aus Iniziative des Barons Wesselényi gelegt wurde, war schon abgenützt. Die Eisenbahnstrecke Hanušovice (Hannsdorf) – Glucholazy (Ziegenhals), die im J. 1888 eröffnet wurde, ergab eine Verbindung Freiwaldau mit der Aussenwelt. Der kleine Bahnhof genügte bald dem grossen Verkehr nicht und wurde deswegen im J. 1912 wesentlich
erweitert.
Infolge der Eisenbahnverbindung stärkte wesentlich der Touristenverkehr, der seit dem J. 1881 vom Sudetengebirgsverein (MSSGV) gepflegt wurde. Von der Markierung der Wanderwegen, Herausgeben der Karten und der eigenen Zeitschrift Altvater tut der Verein auch die anspruchsvollere Tätigkeiten. Es wurden von ihm mehrere Gebirgshütten und auch andere Bauten gebaut. Dank der Freiwaldauer Sektion steht seit dem Jahr 1899 auf dem Berg Zlatý Chlum (Goldkoppe, 875 M) ein Aussichtsturm. Dieser 26 M hoher Steinbau hat den Name Freiwaldauer Warte (Frývaldovská stráž) bekommen.
Dem wachsenden Besucherstrom bot eine Erfrischung das hiesige Strandbad (1882) und verbesserte Unterkunft in neuem Hotel Zur Krone (1890), heute Hotel Jeseník. Das Wohnen in der Stadt machte die Einführung der Gasheizung (1900) und die Elektrifizierung (1920) angenehm. Im J. 1871 wurde hier die Feuerwehr gegründet. Das rege Wirtschaftsleben unterstützen die Geldinstitute: der Vorschussverein (1865) und die städtische Sparkasse (1872). Das Vereinsleben, mit Ausnahme des Schützenvereines, dessen Anfänge schon in das 16. Jahrhundert fallen, entwickelte sich erst nach dem Jahre 1850. Es handelte sich am Anfang um die Unterstützungs-, Gesang- und Turnvereine. Erste Freiwaldauer Zeitung Volksfreund erschien im Jahre 1874 und hatte den katholischen Charakter. Dagegen derer liberales Gegengewicht Mährisch-Schlesische Presse wurde hier erst seit dem Jahre 1883 herausgegeben. Beide gingen im Jahre 1938
ein.
Die Knabenvolksschule bekam die Stadt erst im Jahre 1872, im J. 1887 kam dazu die Mädchenvolksschule. Eine Mangel an den Schuleinrichtungen beseitigte auch nicht die Volks- (1881) und Bürgerschule (1888) des Ursulinenordens, der hier einen grossen Schulkomplex mit der Handelsschule und Privat-Fachschule für Frauenberufe erbaute. Erst im J. 1913 wurde hier ein Realgymnasium eröffnet. Die Erziehung der Lehrlinge sicherte seit dem Jahre 1883 eine Fortbildungsschule. Zur Zeit der ersten Republik fungierte hier bescheiden eingerichtete tschechische
Minderheitsschule..
20. JAHRHUNDERT
Der erste Weltkrieg kostete Freiwaldau 185 tote. Die Entstehung des Tschechoslowakisches Staates im Jahre 1918 nahmen die Freiwaldauer Bürger mit Befürchtungen, namentlich als bei den ersten Wahlen im Jahre 1919 die Deutsche sozialdemokratische Partei siegte und zu einem wesentlichen Zuzug tschechischer Einwohner kam. Deswegen fand hier nach dem J. 1933 die Henlein – Bewegung grosse Sympathien. Nach zwei Jahrzehnten endete die erste Republik im Oktober 1938 durch die deutsche Besatzung des Freiwaldauer Gebietes und mit dem darauffolgenden zweiten Weltkrieg.Nach der Befreiung im Mai 1945 begann in der Geschichte des Landes eine neue Epoche unter ganz anderen nationalen und sozialen Bedingungen (Kommunismus). Es kam auch zu den gründlichen Änderungen im gesamten Bild der Stadt infolge des Aufabaues neuer Siedlungen direkt im Stadtkern sowie auch in den Randgebieten der
Stadt..
GEGENWART
Am 1.7. 1960 wurde der bisher selbständige Bezirk Jeseník im Rahmen der Teilung der Landeseinrichtung in den Bezirk Šumperk eingegliedert. Ebenfalls deshalb empfingen die Bürger der Stadt die Revolution im November 1989 mit Begeisterung auf einem traditionellem Platz,der den ursprünglichen Namen – Masarykovo námestí zurückenthielt. Seit dem J. 1990 begann dann in der Stadt die folgerichtige Entstaatlichung des Besitzes zu verlaufen und im Laufe der kleinen und der grossen Privatisierung gewannen so die Betriebe den neuen, meist privaten Charakter. Allmählich ändert sich auch das Aussehen der Stadt, während kurzer Zeit entstanden viele neue Geschäfte, kleine, mittlere aber auch grössere Betriebe und die Beziehungen mit der ursprünglichen Bevölkerung, die trotz der unbestrittenen Schuld ihrer Vorfahren Jeseník nie ganz vergessen hatten, werden neuangeknüpft. Auch mit deren Hilfe kommt es langsam zur Renovation oder Rettung einiger Sehenswürdigkeiten(der Komplex des Wallfahrtsortes Maria Hilf in Zlaté Hory, das Stadtmuseum in Javorník, die Gedenktafeln bedeutsamer Persönlichkeiten uäm.) Im J.1993 wurde die ehemalige Klosterkapelle ganz neu rekonstruiert, die heute der breiten Öffentlichkeit als Konzert – und Ausstellungshalle dient, mehrere bedeutungsvolle Projekte wurden beendet (der neue Eingang ins Krankenhaus, das Altersheim) und viele öffentliche Bauten neue Fassade. Zu den bedeutenden Kulturereignissen im Leben der Stadt gehörten die Erteilungen des Ehrenbürgertums der Stadt Jeseník JUDr. Miloš Kocka (für seine Propagation des Badewesens und der Geschichte unserer Stadt im Buch “Prameny živé vody”(Die Quellen des lebendigen Wassers) und PhDr. Rudolf Zuber für sein lebenslanges Werk in der Popularisierung der ganzen Jeseniker Region als auch der Stadt(beide im J.1994).Im November 1994 verliefen in der Stadt bereits die zweiten freien Kommunalwahlen, in denen mit Überlegenheit die Rechtsparteien (ODS,ODA,KDU-CSL) siegten und der Bürgermeister der Stadt wurde schon zum zweiten Mal Dipl.Ing. Petr Koša cký(ODA).Seit dem J.1994 entwickelt sich die Zusammenarbeit mit den Schweizern und das hauptsächlich auf dem Gebiet des Fremdenverkehrs(die Hilfe bei der Lösung des Städtischen Informationszentrums (I.C.), des Badewesens (die Erbauung der neuen Badequelle “Bern1995” längst des Weges zur Tropfsteinhöhle Na Pomezí am 22.8.1995 uäm.) Am 24.5.1995 um 17.58 Uhr entschied das Parlament der Tschechischen Republik über die Wiedererrichtung des Bezirks Jeseník. Der neue Bezirk wird insgesamt 23 Gemeinden einbeziehen. Bei der Entscheidung im Parlament war der Bürgermeister der Stadt persönlich anwesend.141 Abgeordnete erklärten sich dafür,10 enthielten sich der Abstimmung und einer stimmte dagegen. Das Ergebnis der Abstimmung übertraf auch die besten Erwartungen. Der Bezirk wurde offiziell am 1.1.1996 errichtet. Am 29.9.1995 besuchte die Stadt Jeseník der Präsident der Republik Václav Havel. Nach kurzem Empfang veranstaltete er eine Pressekonferenz für die Massenmedien und die Vertreter der Stadt und danach trug er vor dem Rathaus eine kurze Rede zu den Jesenikern Bürgern vor. Dieser Besuch war ein Teil seines zweitägigen Arbeitsbesuches im Bezirk Bruntál und des zukünftigen Jeseniker Bezirkes.
Heute, am Ende des 90. Jahres, ist Jeseník ein bedeutender Mittelpunkt unseres Badewesens und der Touristik des ganzen Altvatergebietes – Jeseníky, eine wahre Perle, wie sie schon vor Jahrzehnten gerühmt wurde. Seit 1996 ist Jeseník wieder eine Bezirksstadt.
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